Konzept

Bereiche

Eine Chance für Generationen

Lange Spaziergänge direkt am See entlang bis zur Sylvesterkapelle. Kneippen am Ufer des Bodensees. Spielen mit den Kindern in der großen Spiellandschaft. Oder Picknick machen mit den Freunden. All das ist künftig möglich. Mit der Landesgartenschau 2020 bekommt die Stadt Überlingen einen rund sechs Hektar großen und abwechslungsreich gestalteten Bürgerpark am westlichen Stadteingang, mit lauschigen Plätzen unter schattigen Bäumen und Stauden sowie Rasen- und Wiesenflächen zum Entspannen, Sand- und Kiesflächen für Sport und Freizeit.

 

Es wird ein Park für alle Generationen und für viele Bedürfnisse. Der Bürgerpark schafft großflächig neue Seezugänge. Dort, wo jetzt noch die Bahnhofstraße am Wasser entlangführt, entsteht eine Grünfläche mit direktem Seezugang auf einer Länge von rund 225 Metern. Auf der sanft terrassierten Fläche zum See hin gibt es Strandrasen, Kiesstrand und Rasenflächen, getrennt durch Terrassenkanten aus Granitsteinen. Treppen aus vorhandenem Rorschacher Sandstein schaffen Übergänge von den einzelnen Terrassen. In diesem Bereich ist auch ein barrierefreier Zugang bis zum Ufer gewährleistet.

 

Viel Spaß für Kinder versprechen der in Sand gebettete Wasserbereich und die Großschaukeln. Sitzsteine und Bänke laden zum Verweilen im Park ein. Einen herrlichen Blick über den Park und den See gewährt ein Aussichtspunkt am Eingang des Parks. Im östlichen Teil kommt ein weiterer direkter Seezugang auf einer Länge von rund 125 Metern hinzu. Das Steilufer ist wildförmig geschüttet mit Wasserbausteinen aus Granit in unterschiedlichen Größen und zu mindestens zwei Drittel bepflanzt mit Weidensteckholz. Hier wird der Seezugang möglich durch fünf Treppenabgänge mit breiten Sitzstufen.

 

Flora und Fauna

 

Im gesamten Bereich des neuen Parks, vor allem aber im Flachuferbereich werden Schwarzpappeln gepflanzt, eine Baumart, die typisch ist für die Bodensee-Region, die aber immer seltener geworden ist. Die Vielfalt der im Ansatz vorhandenen Gehölzstrukturen wird wiederhergestellt. Nichtheimische Bäume und Pflanzen gerade im Bereich der Ufermauer werden durch standorttypische heimische ersetzt. Fledermaushabitate werden angelegt als Angebot zur Ansiedlung einer Population, denn bislang haben die streng geschützten Flugtiere das Ufergelände lediglich als Jagdrevier genutzt. Im neuen Park sollen sie Brutmöglichkeiten erhalten.

Ein Lesezeichen erinnert an die Geschichte des Uferparks

Der Uferpark West wird auf geschichtsträchtigem Boden angelegt. Gemeinsam mit dem Verein „Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch in Überlingen“ erinnert die Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH deshalb mit einem Lesezeichen an die KZ-Häftlinge, die während des Zweiten Weltkrieges im Stollen zur Zwangsarbeit verpflichtet waren.

 

Nach der Bombardierung der Friedrichshafener Industrieunternehmen, die im Zweiten Weltkrieg Rüstungsgüter herstellten, sollten diese unterirdisch verlagert werden. Dafür kamen 800 Häftlinge aus dem KZ Dachau nach Überlingen. Sie hatten Gänge, also Stollen, aus dem Felsen zu sprengen und das Gestein abzutransportieren. Den Aushub aus dem Berg schütteten sie in den Bodensee; auf ihm wurde später der Überlinger Campingplatz errichtet. Die unterirdische Anlage selbst wurde für die Rüstungsproduktion nie genutzt. Der größte Teil des Stollens ist heute zugänglich.

 

Mit der Schaffung des Uferparks wird das künstliche Relief des in den Jahren 1944/45 geschaffenen Uferbereichs erneut gestalterisch thematisiert und verändert. Die Landschaftsarchitektin Marianne Mommsen, relaisLA, die den Wettbewerb zur Planung des Uferparks gewonnen hat, befasste sich schon sehr früh mit der Historie des Geländes. Das Lesezeichen ist zurückhaltend, wird aber bemerkt. Es weist in Richtung Fensterstollen, ist aber kein mahnender Zeigefinger. Das in Blickrichtung zum Stollen in den Boden eingelassene Zeichen aus großflächigen Rorschacher Sandsteinen ist ein symbolischer Stolperstein. Durch die Vertiefung des Zeichens kann sich Regenwasser sammeln. Damit wird ganz bewusst ein atmosphärischer Bezug zur Wasserfläche des Bodensees hergestellt.   

 

Marianne Mommsen: „Im Uferpark wird ein Lesezeichen als auf den geschichtlichen und topografischen Zusammenhang verweisende Zäsur eingebaut. Das Lesezeichen soll ein irritierender Fremdkörper sein, der sich der umgebenden Parkgestaltung nicht zuordnet, sondern sich vom Weg in die Rasenfläche einschneidet. In seiner Form und Ausrichtung bezieht er sich auf die ingenieurtechnische Struktur der Stollenanlage und lenkt den Blick des Parkbesuchers auf die vom Uferweg aus sichtbaren Fensterstollen.“ Eingraviert werden eine Grafik des Goldbacher Stollensystem und ein kurzer Text zur Geschichte des Geländes.

Die Bahnhofstrasse

Wesentlich für den neuen Uferpark ist die Verlegung der Bahnhofstraße im Planungsbereich. Der bisherige Bahnübergang bleibt erhalten, allerdings wird von dort aus der Straßenverlauf nahe an die Bahngleise gerückt. Ab dem Bahnhof West läuft sie wieder auf der bisherigen Trasse. So entstehen mehr Raum für die Anlage des Uferparks und neue Zugänge zum See. Für die Umgestaltung des Bodenseeufers wurde der Campingplatz bereits geräumt.

 

 

Der Mantelhafen

Auch die Pläne für den Mantelhafen nehmen Gestalt an. Der Mantelhafen soll nicht nur gestalterisch, sondern auch strukturell aufgewertet und neu geordnet werden. Die Aufenthaltsqualität soll deutlich verbessert werden, der ruhende Verkehr kommt raus. Es entsteht ein gestalterisch hochwertiger, offener, urbaner Platz mit Grünbeeten und einer Pflanzinsel, langen Sitzbankelementen wie im Park, einem unter den Bäumen am Hafenbecken geplanten leuchtend roten Holzdeck und einem neuen Belag aus Natursteinpflaster, das sich bis zur Uferpromenade fortsetzen soll. 

Uferpromenade

Im urbanen Uferbereich Überlingens wird sich ebenfalls einiges tun. Die vom Gemeinderat einstimmig beschlossene Umgestaltung der Uferpromenade mit Landungsplatz zählt zu den Korrespondenzbereichen der Landesgartenschau 2020, die von der LGS Überlingen 2020 GmbH im Auftrag der Stadt realisiert werden. 

 

Im Gegensatz zum landschaftlich geprägten Uferpark West wird die Uferpromenade urban gestaltet. Sie wird als Stadtkante zum See quasi der „Balkon der Stadt“, so die Landschaftsarchitektin Marianne Mommsen, relaisLA. Durch ihre Konstruktion, nämlich in direkter Verbindung auf dem Ufersammler sitzend, mutet die Uferpromenade wie ein Dachgarten an. Daher müssen Bestandteile, die unmittelbar baulich mit dem Kanal zusammenhängen, erhalten bleiben: die Blumenbeete, die Freitreppe am Landungsplatz und die Betonsitzbänke.

 

Die Ästhetik der 1970er-Jahre wird in der Planung akzeptiert und berücksichtig, daher gibt es in den genannten Bereichen lediglich eine qualitative Aufwertung im Bestand. Der Handlungs- und Gestaltungsspielraum ist entsprechend eingeschränkt. Ziel ist aber ein starkes Gesamtbild, der Platz soll ein echter Platz werden. Am Landungsplatz war ursprünglich die autogerechte Stadt bevorzugt worden. Heute, so Marianne Mommsen, stehe die autofreie Stadt im Fokus und dementsprechend würde der Landungsplatz umgestaltet und zur „guten Stube“ mit hoher Aufenthaltsqualität. Dazu wird der Platz bis unmittelbar an die Fassaden der angrenzenden Bäume heranrücken. Der Verkehr wird künftig eine untergeordnete Rolle spielen.

 

Marianne Mommsen schlägt für Promenade und Landungsplatz einen gut begehbaren Belag aus grauem Natursteinpflaster vor. Rote Steinen werden flächig Akzente setzen. Neue Sitzgelegenheiten, sei es durch Rundbänke unter den Bäumen am Landungsplatz oder rote Langbänke entlang des Ufers machen Platz und Promenade attraktiver. Lässiges informelles Sitzen schlägt die Planerin an der Freitreppe am Landungsplatz vor. Hier plant sie ein rotes Holzdeck ein.

 

Zur Umgestaltung der Uferpromenade mit Landungsplatz hat eine umfassende Bürgerbeteiligung stattgefunden, bevor der Entwurfsplan dem Gemeinderat zur Abstimmung vorgelegt wurde. Dabei hatten sich die Bürger vor allem für den Erhalt möglichst vieler Bäume eingesetzt, worauf die Planerin entsprechend reagiert hat. Nicht alle Bäume können allerdings gerettet werden. Geschädigte Bäume werden entfernt und an anderer Stelle neu gepflanzt, einige erhalten deutlich bessere Standortbedingungen für mehr Vitalität. Die Baresel Insel bleibt wie von den Bürgern gewünscht bestehen.

 

Zentrale Anlaufstelle bei der Stadt rund um das Themenfeld Bürgerbeteiligung war die „Fachstelle für Bürgerbeteiligung“ im Vorzimmer der Oberbürgermeisterin. Im Februar 2016 hatte der Gemeinderat die Bürgerbeteiligung zur Uferpromenade beschlossen, am 16. März die Bildung der Koordinierungsgruppe Bürgerbeteiligung. Teilnehmer waren fünf Vertreterinnen und Vertreter des Gemeinderats, die Freunde der Landesgartenschau, der Bürgersinn, der Verschönerungsverein, das Jugendforum und der Familientreff Kunkelhaus. Die Koordinierungsgruppe legte das Verfahren der moderierten Bürgerbeteiligung fest: Bürgerforum, Sachgespräche mit besonderen Nutzergruppen, Überarbeitung Entwurfsplanung, Bürgerinformation, Vorbereitung Beschluss, Entscheidung im Gemeinderat im September 2016.

Der Höhensteg beim Ochsengraben

Der Höhensteg durch den privaten Ochsengraben soll nach den vorliegenden Entwurfsplänen den St. Johann-Graben mit den Menzingerhausgärten und dem Mantelhafenareal verbinden und könnte künftig neue, kaum gekannte Perspektiven und räumliche Bezüge eröffnen. Entwurfsplanung und Realisierung des Höhenstegs werden derzeit ergebnisoffen mit dem Eigentümer des dafür notwendigen Grundstücks abgesprochen. Die LGS GmbH plant auf den jetzigen Grundlagen weiter, ohne dass die noch offene Entscheidung über die tatsächliche Umsetzung vorweggenommen wird.Geplant ist, dass der Steg den Ochsengraben in einer Höhe von bis zu 15 Metern überspannen soll und so die lang vermisste innerstädtische Verbindung über das historische Grabensystem wiederherstellen könnte. Die in „wilder Anordnung“ positionierten runden Stützen integrieren sich gestalterisch in die umgebende Gehölzstruktur. Der Steg würde parallel zur Stadtmauer ohne Eingriffe in die Bausubstanz verlaufen und eine attraktive Wegeverbindung aus dem Bereich der Baumwipfel beim St. Johann-Turm bis in Richtung Bodensee schaffen.