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Leitstruktur für Fledermäuse

25.02.2017

Sie sind nur eine Übergangslösung, daher bleiben sie zunächst in den Pflanzkübeln und werden nicht in die Erde eingepflanzt: 21 Linden bilden während der Bauarbeiten zum Uferpark eine Leitstruktur, die Fledermäusen eine Orientierung in ihrem Nahrungs- und Jagdhabitat im Bodenseeuferbereich geben sollen.

 

Die hochstämmigen Linden ersetzen vorübergehend die Platanenreihe bis im Zuge der Bauarbeiten wieder eine neue Pflanzreihe diese Funktion übernehmen wird. Wenn die neue Bahnhofstraße fertig und das unmittelbar anschließende Uferparkgelände modelliert ist, werden 21 Mehlbeeren und Ebereschen die dauerhafte Leitstruktur bilden. Die temporäre Leitstruktur besteht aus 21, etwa vier Meter hohen Linden, die vom städtischen Amt für Grünflächen, Umwelt und Forst und der Stadtgärtnerei gekauft und eingepflanzt wurden.

 

Rolf Geiger, Chef des Grünflächenamts: „Die Pflanzkübel sind besonders ausgestattet, nämlich mit Wassersäckchen rund um den Stamm der Bäume, dadurch kann das Wasser tröpfchenweise abgegeben werden und wir müssen nicht täglich gießen.“ Sobald die Linden für die Leitstruktur nicht mehr gebraucht werden, dienen sie als halbseitige Allee an einer geeigneten Stelle am Überlinger Stadtrand als Straßenbegleitgrün.

 

Begleitet wird die Aktion im Rahmen des Landschaftspflegerischen Begleitplans von Jochen Kübler (365° freiraum+ umwelt), der mit der Umweltbaubegleitung beauftragt ist. „Die Leitstruktur ist für den Übergang wichtig, damit sich die Fledermäuse wie gewohnt von Ost nach West in ihrem Jagdkorridor orientieren können. Die Tiere brauchen für ihre Echoortung Vertikalstrukturen und dafür reichen auch diese kleinen Bäume aus“, so Kübler. Die Bäume dienen einzig der Orientierung, nicht als Nahrungshabitat oder Quartierbäume. Die Fledermäuse jagen vor allem in Ufernähe die flugfähigen Wasserinsekten aus dem Bodensee (z.B. Zuckmücken).

 

Der Diplom-Biologe Dr. Wolfgang Fiedler, Leiter der Vogelwarte Radolfzell am Max-Planck-Institut für Ornithologie und ausgewiesener Fledermausexperte, war beratend tätig. Vor allem Zwergfledermäuse und Weißrandfledermäuse jagen auf dem Gelände des Uferparks. Baumhöhlenquartiere wurden im ökologischen Fachgutachten von Dr. Fiedler nicht festgestellt.

 

Da diese jedoch nicht mit letzter Sicherheit ausgeschlossen werden konnten, wurden 35 Nisthilfen für Fledermäuse in zwei Ausführungen, Flach- und Höhlenkästen angebracht. Auch für vorkommende Höhlenbrütern und den Brutvogelarten wurde Ersatz geschaffen. Gut zehn Kilogramm schwer ist jeder der fünf Nistkästen für den Waldkauz. Hinzu kommen fünf Kästen für Meise oder Sperling und fünf Nistkästen für den Star.