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Ein Lesezeichen erinnert an die Geschichte des Uferpark

01.02.2017

Der Uferpark West wird auf geschichtsträchtigem Boden angelegt. Gemeinsam mit dem Verein „Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch in Überlingen“ will die Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH deshalb an die KZ-Häftlinge, die während des Zweiten Weltkrieges im Stollen zur Zwangsarbeit verpflichtet waren, erinnern. „Das von Marianne Mommsen dafür entworfene Lesezeichen trifft auf große Zustimmung, weil es markant, aber doch zurückhaltend ist. Wir unterstützen diese Idee sehr gerne,“ so Oswald Burger, Vorsitzender des Vereins. „Nicht nur ideell, sondern auch finanziell.“

 

Nach der Bombardierung der Friedrichshafener Industrieunternehmen, die im Zweiten Weltkrieg Rüstungsgüter herstellten, sollten diese unterirdisch verlagert werden. Dafür kamen 800 Häftlinge aus dem KZ Dachau nach Überlingen. Sie hatten Gänge, also Stollen, aus dem Felsen zu sprengen und das Gestein abzutransportieren. Den Aushub aus dem Berg schütteten sie in den Bodensee; auf ihm wurde später der Überlinger Campingplatz errichtet. Die unterirdische Anlage selbst wurde für die Rüstungsproduktion nie genutzt. Der größte Teil des Stollens ist heute zugänglich.


Der Stollenverein unterstützt die Idee

Mit der Schaffung des Westparks wird das künstliche Relief des in den Jahren 1944/45 geschaffenen Uferbereichs erneut gestalterisch thematisiert und verändert. Erinnert wird an die schwere, gefährliche und opferreiche Arbeit der Häftlinge, die den Aushub für den Stollenausbau ans Bodenseeufer transportieren mussten. „Das begrüßen wir vom Stollenverein sehr. Ganz bewusst wünschten wir uns aber eben kein weiteres Denkmal“, so Burger. „Gerade deshalb gefällt uns das Konzept mit dem hohen künstlerischen Anspruch, das Frau Mommsen entwickelt hat.“ Von den 18 000 Euro, die die Realisierung des Zeichens kostet, will der Stollenverein die Hälfte übernehmen. „Das ist ja der ureigene Zweck des Vereins, dass er für Projekte, die die Erinnerung wachhalten, Geld gibt.“

 

Die Landschaftsarchitektin Marianne Mommsen, relaisLA, die den Wettbewerb zur Planung des Uferparks gewonnen hat, befasste sich schon sehr früh mit der Historie des Geländes. „Die Idee, hier einen angemessenen Hinweis zu geben auf die Bedeutung des Ortes und ein Bewusstsein zu schaffen für die damalige Situation, hatten wir von Anfang an,“ so Roland Leitner, Geschäftsführer der Landesgartenschau Überlingen 2020 GmbH.


Kein mahnender Zeigefinger

„Das Lesezeichen ist in einem gemeinsamen Entscheidungsprozess entstanden. Es ist zurückhaltend, wird aber bemerkt. Es weist in Richtung Fensterstollen, ist aber kein mahnender Zeigefinger.“ Das in Blickrichtung zum Stollen in den Boden eingelassene Zeichen aus großflächigen Rorschacher Sandsteinen sei ein symbolischer Stolperstein, so Leitner weiter. Durch die Vertiefung des Zeichens kann sich Regenwasser sammeln. Damit wird ganz bewusst ein atmosphärischer Bezug zur Wasserfläche des Bodensees hergestellt.

 

Marianne Mommsen: „Im Uferpark wird ein Lesezeichen als auf den geschichtlichen und topografischen Zusammenhang verweisende Zäsur eingebaut. Das Lesezeichen soll ein irritierender Fremdkörper sein, der sich der umgebenden Parkgestaltung nicht zuordnet, sondern sich vom Weg in die Rasenfläche einschneidet. In seiner Form und Ausrichtung bezieht er sich auf die ingenieurtechnische Struktur der Stollenanlage und lenkt den Blick des Parkbesuchers auf die vom Uferweg aus sichtbaren Fensterstollen.“ Eingraviert werden eine Grafik des Goldbacher Stollensystem und ein kurzer Text zur Geschichte des Geländes.